Die Geschichte des Eishockeys in Crimmitschau
Die Anfänge des Crimmitschauer Eishockeys
Die Geschichte des Eishockeys in Crimmitschau begann – wie an vielen anderen Standorten in Deutschland – zunächst mit Bandy, einer frühen Form des Eissports, die mit einem Ball gespielt wurde. Zu den Pionieren dieser Zeit gehörten Willi und Heinrich Otto, die später auch dem Vereinsvorstand angehörten. Ende der 1920er Jahre erfolgte schließlich der Wechsel zum kanadischen Eishockey. Gespielt wurde zunächst auf der sogenannten „Eiswiese“ sowie am Gondel- und Froschteich, ehe 1930 mit dem Sahnbad-Stadion eine moderne Heimstätte entstand. Bereits in den frühen 1930er Jahren entwickelte sich der damalige EHC Crimmitschau zu einer festen Größe im mitteldeutschen Eishockey. Dreimal gewann der Club die mitteldeutsche Meisterschaft und erreichte 1937 sogar die Endrunde um die deutsche Meisterschaft, in der man erst an Blau-Weiß Dresden scheiterte. Im Volksmund galt der EHC damals als „Fabrikantenverein“, während der benachbarte Arbeiterclub Frankenhausen oftmals größere Popularität genoss.
Die Wechselvollen Jahre in der DDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine wechselvolle Zeit, die vor allem durch zahlreiche politische und strukturelle Veränderungen geprägt war. Der Verein trug im Laufe der DDR-Jahre unterschiedlichste Namen – darunter BSG Pleißengrund, BSG Textil Pleißengrund, BSG Turbine, Fortschritt, Motor, ASK Vorwärts Crimmitschau und schließlich BSG Einheit Crimmitschau. Die jeweiligen Namen spiegelten die Zugehörigkeit zu staatlichen Betrieben und Institutionen wider. Trotz dieser Veränderungen gehörte Crimmitschau über viele Jahre hinweg zur Spitze des DDR-Eishockeys und etablierte sich hinter den dominierenden Clubs aus Berlin und Weißwasser als feste Nummer drei im Land.
Besonders erfolgreich war der Club im FDGB-Pokal, den die Mannschaft 1966, 1967 und 1970 gewinnen konnte. Zahlreiche Nationalspieler wie Peter Kolbe, Dieter Kratzsch, Erhard Braun, Lothar Fuchs, Dieter Röhl oder Rolf Riedel prägten diese Zeit und machten Crimmitschau weit über die Region hinaus bekannt. Mehrere Crimmitschauer Spieler gehörten zudem zur DDR-Nationalmannschaft, die 1966 die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft gewann.
Der „Beschluss von Oben“
1970 folgte der größte Einschnitt in der Geschichte des Standorts. Mit dem sogenannten „Beschluss von Oben“ entschied die DDR-Führung, die Oberliga auf die beiden Dynamo-Clubs aus Berlin und Weißwasser zu reduzieren. Alle anderen Eishockeystandorte mussten ihren leistungsorientierten Spielbetrieb einstellen. Die Sportart galt aus Sicht der politischen Verantwortlichen als nicht ausreichend medaillenträchtig und verlor ihren Status als förderungswürdige Disziplin.
Aus dem ASK Vorwärts Crimmitschau wurde in diesem Zuge die BSG Einheit Crimmitschau. Obwohl die Teilnahme an offiziellen Ligen nicht mehr möglich war, blieb Eishockey in Crimmitschau dennoch lebendig. Die Mannschaft dominierte in den folgenden Jahren die sogenannte „DDR-Bestenermittlung“ und gewann diese Wettbewerbe mehrfach. Dank des außergewöhnlichen Engagements der Verantwortlichen wurden über zwei Jahrzehnte hinweg zahlreiche Turniere und Spiele in Crimmitschau ausgetragen. Damit gelang es, den Eishockeysport am Standort trotz schwierigster Bedingungen am Leben zu halten und den Grundstein für den späteren Neubeginn zu legen.
Der Neubeginn nach der Wende
Mit dem politischen Umbruch und dem Fall der Mauer begann schließlich die Wiedergeburt des leistungsorientierten Eishockeys in Crimmitschau. Aus der BSG Einheit wurde zunächst wieder der EHC Crimmitschau. Das erste Spiel nach der Neugründung gewann die Mannschaft vor hunderten mitgereisten Fans deutlich in Kulmbach.
Der Neustart war jedoch mit enormen Herausforderungen verbunden. Das Stadion musste modernisiert, eine neue Mannschaft aufgebaut und Ausrüstung organisiert werden, die in der DDR kaum verfügbar gewesen war. Mit großer Unterstützung der Stadt, vieler westdeutscher Vereine und zahlreicher Helfer gelang es dennoch, den Standort Schritt für Schritt wieder aufzubauen.
Die Neugründung des ETC Crimmitschau e.V.
Am 3. Mai 1990 wurde schließlich der ETC Crimmitschau e.V. offiziell wiedergegründet. Der Verein entwickelte sich in den folgenden Jahren zum sportlichen Mittelpunkt der Region und leitete eine der erfolgreichsten Epochen der Vereinsgeschichte ein. In den 1990er Jahren spielte der ETC zunächst in der Bayernliga und wurde schnell zum „Schreck aller Bayern“. In der Saison 1991/92 gewann Crimmitschau die Bayernliga-Meisterschaft. Roland Frisch erzielte im entscheidenden Spiel gegen Haßfurt den Penalty zum Titelgewinn und Aufstieg in die Regionalliga Süd.
Die goldenen 90er Jahre
Besonders die zweite Hälfte der 1990er Jahre gilt bis heute als legendäre Zeit des Crimmitschauer Eishockeys. Nach der Überdachung des Kunsteisstadions im Jahr 1994 strömten regelmäßig rund 6.000 Zuschauer zu den Heimspielen – zeitweise mehr als bei einigen Bundesligastandorten. Die Begeisterung war enorm, die Stimmung einzigartig. Selbst ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für den längsten Fangesang der Welt entstand in dieser Zeit.
Eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte folgte 1999/2000. Der ETC gewann den Jaroslav-Hauer-Pokal, die Meisterschaft der Oberliga Süd sowie den Sachsenpokal. Spieler wie Stefan Steinbock, Ralf Kösling, Torsten Heine, Dirk Rohrbach oder Mike Losch prägten diese Ära nachhaltig. Der sportliche Aufstieg in die 2. Bundesliga gelang schließlich im Jahr 2001.
Zwischen Aufstieg und wirtschaftlichen Herausforderungen
Zwischen 2001 und 2007 spielte der ETC überwiegend in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. So wurde nach dem Abstieg in die Oberliga im Jahr 2005 der sofortige Wiederaufstieg geschafft. Trotz des sportlichen Erfolgs führten die finanziellen Belastungen des Profibetriebs zunehmend zu wirtschaftlichen Problemen. Deshalb wurde 2007 die erste Mannschaft in die neu gegründete Eispiraten Crimmitschau GmbH ausgegliedert.
Seitdem konzentriert sich der ETC Crimmitschau e.V. vollständig auf die Nachwuchsarbeit, während die GmbH den Profibereich verantwortet. Beide Seiten arbeiten bis heute eng zusammen, um den Eishockeystandort langfristig zu sichern.
Die Ära der Eispiraten Crimmitschau
Seit der Saison 2007/08 tritt die Profimannschaft unter dem Namen „Eispiraten Crimmitschau“ an. Trotz vergleichsweise geringer finanzieller Mittel gelang es dem Club, sich dauerhaft im deutschen Profieishockey zu etablieren. In der Premierensaison erreichten die Eispiraten bereits das Playoff-Viertelfinale.
In den folgenden Jahren stand jedoch vor allem die wirtschaftliche Konsolidierung im Mittelpunkt. Auch die NHL-Stars Wayne Simmonds, Chris Stewart und Clarke MacArthur, die während des NHL-Lockouts 2012 das Trikot der Eispiraten trugen, konnten die sportliche Entwicklung zunächst nur punktuell beeinflussen, immerhin aber für einen kurzzeitigen Zuschauerboom und ein enormes Medieninteresse sorgen.
Schuldenabbau, sportlicher Aufschwung und die Corona-Pandemie
Mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Jörg Buschmann im Jahr 2015 begann eine neue Phase der Stabilisierung. Durch infrastrukturelle Maßnahmen wie den Bau der Business Lounge und einer mobilen Sitzplatztribüne verbesserten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich. Gleichzeitig kehrten die Eispiraten sportlich Schritt für Schritt zurück in die Playoffs. Unter Trainer Kim Collins entwickelte sich die Mannschaft wieder zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten in der DEL2. Die Playoff-Teilnahmen der Jahre 2017/18 und 2018/19 markierten die Rückkehr des Standorts in die erweiterte Spitzengruppe der Liga.
Die Corona-Pandemie stellte den Standort ab 2020 erneut vor große Herausforderungen. Nach dem vorzeitigen Saisonabbruch mussten wirtschaftliche Engpässe mit Crowdfunding-Aktionen überbrückt werden. Die Saison 2020/21 begann verspätet und größtenteils ohne Zuschauer. Dennoch gelang es dem Club, die schwierige Zeit zu überstehen. Bereits in der Saison 2021/22 erreichten die Eispiraten mit Platz sechs ihre bis dahin beste Hauptrundenplatzierung der jüngeren Vereinsgeschichte.
Der Underdog mischt die Liga auf
Die bislang erfolgreichste Saison der Clubgeschichte folgte schließlich 2023/24. Nachdem die Mannschaft vor der Spielzeit vielerorts noch als Abstiegskandidat gehandelt worden war, entwickelte sie sich unter Cheftrainer Jussi Tuores überraschend zu einem Topteam der DEL2. Die Eispiraten beendeten die Hauptrunde auf dem dritten Platz und erreichten erstmals das Halbfinale der DEL2-Playoffs. Im Viertelfinale setzte sich Crimmitschau in einer dramatischen Serie gegen Krefeld durch. Dominic Walsh erzielte dabei im entscheidenden siebten Spiel in der zweiten Overtime den historischen Siegtreffer zum 6:5. Erst im Halbfinale scheiterte das Team – auch verletzungsbedingt – am späteren Meister aus Regensburg.
Ebenfalls unvergessen bleibt das erste Outdoor-Spiel der Vereinsgeschichte. Vor über 13.000 Zuschauern gewannen die Eispiraten im Rahmen des Hockey Outdoor Triples an der Vogtland Arena in Klingenthal mit 7:3 gegen die Dresdner Eislöwen.
Diese Saison markierte den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die den Standort Crimmitschau trotz kleiner Strukturen und begrenzter Mittel dauerhaft als festen Bestandteil der DEL2 etabliert hat.



