Logan Will: „Wir wollen eine unvergessliche Saison erleben!“

Okt. 15, 2026 | Allgemein, Hauptnews, Portraits

Der US-amerikanische Stürmer im Portrait

Vom ersten Schlittschuh mit zweieinhalb Jahren bis zum Profieishockey in Europa: Logan Will hat einen langen Weg auf dem Eis zurückgelegt. Seit August trägt der 26-jährige US-Amerikaner das Trikot der Eispiraten Crimmitschau. Im Interview spricht der Stürmer über seinen Vater als wichtigsten Ratgeber, die besondere Atmosphäre in Crimmitschau und seine Ambitionen mit den Eispiraten.

Wenn Logan Will heute auf dem Eis steht, steckt darin auch ein Stück Familiengeschichte. Denn seine Eishockeykarriere begann, als er gerade einmal zweieinhalb bis drei Jahre alt war. „Mein Vater hat mich zum Eishockey gebracht. Er hat selbst gespielt, und natürlich bin ich ihm erst einmal gefolgt, bevor ich irgendwann selbst angefangen habe“, erzählt der Angreifer.

Dass sein Vater weit mehr als nur derjenige war, der ihn zum ersten Training brachte, wird schnell deutlich. Er trainierte seinen Sohn über viele Jahre und ist bis heute eine wichtige Bezugsperson geblieben. „Er ist wahrscheinlich immer noch derjenige, mit dem ich am häufigsten über mein Spiel spreche – darüber, wo ich gerade stehe, was ich seiner Meinung nach verbessern kann und woran ich arbeiten sollte.“ Auch seine Eltern und Großeltern haben ihn auf seinem Weg entscheidend unterstützt. „Sie haben viel für mich getan und mir sehr geholfen. Zu ihnen schaue ich auf“, sagt Will. Die Unterstützung seiner Familie ist für ihn keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, das er bewusst zu schätzen weiß.

Ein vielseitiger Stürmer mit Führungsanspruch

Der gebürtige US-Amerikaner aus Ames, Iowa, sammelte seine Erfahrungen zunächst im College-Eishockey und in der ECHL, ehe ihn sein Weg nach Europa führte. Zuletzt spielte der Linksschütze beim HK Spišská Nová Ves in der Slowakei. Seit seinem Wechsel nach Crimmitschau verstärkt er die Offensive der Eispiraten und ist variabel einsetzbar. In der laufenden Saison konnte Will bislang mit drei Toren und drei Vorlagen in acht Spielen auf sich aufmerksam machen. Doch wer ihn fragt, was einen guten Eishockeyspieler ausmacht, bekommt eine Antwort, die deutlich über die persönliche Statistik hinausgeht.

„Gute läuferische Fähigkeiten sind wahrscheinlich das Wichtigste. Aber es geht auch darum, ein Wettkämpfer zu sein, Zweikämpfe gewinnen zu wollen und auf die Details zu achten“, erklärt der 1,80 Meter große Stürmer. „Natürlich gehört das Toreschießen dazu. Aber genauso wichtig sind die Defensive, ein guter Teamkollege zu sein und all die anderen Dinge, die zum Spiel gehören.“ Für Will ist Eishockey eine Sportart, in der man sich nicht auf eine einzelne Stärke verlassen kann. „Du kannst nicht nur in einer Sache gut sein. Du musst ein ziemlich kompletter Spieler sein.“

Dass er nicht nur sportlich Verantwortung übernehmen möchte, sondern auch innerhalb der Mannschaft, hat er sich für die laufende Saison fest vorgenommen. Dafür braucht er aus seiner Sicht nicht unbedingt ein offizielles Amt. „Ich möchte ein Führungsspieler in dieser Mannschaft sein, auch wenn ich kein Zeichen auf dem Trikot trage“, sagt Will. Führung könne auf unterschiedliche Weise stattfinden: indem man andere Spieler unterstützt, auf dem Eis vorangeht oder durch Leistungen wie gewonnene Bullys und wichtige Punkte. „Ich möchte helfen, wo immer ich kann.“

Größere Eisfläche, andere Spielweise

Der Wechsel von Nordamerika nach Europa bringt auch eine Umstellung auf eine andere Spielweise mit sich. Besonders die größere Eisfläche ist Will aufgefallen. „Ich denke, die Eisfläche ist hier etwas größer. Deshalb wird mehr Schlittschuh gelaufen, und es gibt wahrscheinlich auch ein bisschen mehr Raum für spielerische Lösungen“, erklärt er. Gleichzeitig sei es auf dem größeren Eis schwieriger, Räume schnell zu schließen. Im Vergleich zu Nordamerika gehe es deshalb teilweise weniger körperbetont zu.

Für den Stürmer bedeutet das, sein Spiel an die neuen Bedingungen anzupassen und die zusätzlichen Räume zu nutzen. Die Möglichkeit, mehr spielerische Akzente zu setzen, gehört für ihn zu den interessanten Unterschieden zwischen beiden Eishockeywelten.

„Die Fans sind großartig!“

Einen besonders positiven Eindruck hat Will in Crimmitschau abseits des Eises gewonnen. Die Unterstützung der Fans bei den Spielen begeistert ihn. „Die Fans sind großartig! Es ist laut, und sie unterstützen uns wirklich sehr gut“, sagt der US-Amerikaner. Selbst wenn nicht jedes Spiel ausverkauft sei, vermittle die Atmosphäre für ihn genau diesen Eindruck. Dass die Zuschauer hinter ihrer Mannschaft stehen, weiß er zu schätzen. Die Stimmung in der Halle gehört für ihn zu den Dingen, die den Start bei den Eispiraten besonders machen.

Auch seine Rückennummer 17 hat eine kleine Geschichte. Eigentlich hätte Will am liebsten die Nummer 10 von Stefan Steinbock getragen, doch diese ist bei den Eispiraten gesperrt und hängt unter dem Hallendach. Viele seiner früheren Rückennummern waren ebenfalls bereits vergeben. Also entschied er sich für eine Nummer, mit der er schon einmal auf dem Eis gestanden hatte: die 17.

Aus Niederlagen lernen

Zum Sport gehören neben Erfolgen auch Rückschläge. Entscheidend ist für Will, wie man mit ihnen umgeht. Dabei verfolgt er einen pragmatischen Ansatz. „Wenn das nächste Spiel schnell ansteht, versuche ich, die Niederlage so schnell wie möglich abzuhaken und mich auf die nächste Aufgabe vorzubereiten“, erklärt er. Bleibt mehr Zeit bis zum nächsten Einsatz, nutzt er diese dagegen zur Analyse: Was hätte er selbst besser machen können? Was hätte die Mannschaft verändern können?

Sein Ziel ist es, sich konkrete Ansatzpunkte für die Trainingswoche zu setzen. „Ich versuche, mir ein oder zwei Dinge herauszusuchen, an denen ich arbeiten kann, damit ich dieselben Fehler in der nächsten Woche hoffentlich nicht wiederhole.“ Es ist eine Einstellung, die zu seinem Anspruch passt, ein kompletter Spieler zu sein: ehrgeizig bleiben, an den eigenen Schwächen arbeiten und dabei das große Ganze im Blick behalten.

Das Ziel: eine unvergessliche Saison

Für Will steht fest, wohin die Reise mit den Eispiraten gehen soll. Zunächst möchte die Mannschaft die Playoffs erreichen. Was danach möglich ist, will er nicht begrenzen. „Wir wollen in die Playoffs kommen, dort einen Lauf starten und vielleicht sogar alles gewinnen“, sagt er. „Wer weiß? Wir wollen einfach versuchen, gemeinsam eine unvergessliche Saison zu erleben und so weit zu kommen, wie wir können.“ Es ist eine ambitionierte Zielsetzung, die zugleich zeigt, worauf es ihm ankommt: nicht nur auf persönliche Erfolge, sondern auf das gemeinsame Erlebnis und den Zusammenhalt einer Mannschaft – auch, wenn die Saison noch jung ist.

„Nimm es etwas lockerer und genieße es!“

Bei aller Disziplin und allem Ehrgeiz gibt es allerdings auch etwas, das Will seinem jüngeren Ich heute mit auf den Weg geben würde. Der Ratschlag fällt überraschend persönlich aus. „Es ist ein bisschen schwierig, weil ich einerseits sagen würde, dass ich mehr Spaß hätte haben sollen. Andererseits hat mich gerade meine Disziplin dorthin gebracht, wo ich heute bin“, erzählt er. Rückblickend hätte er sich manchmal gewünscht, nicht ganz so streng mit sich selbst zu sein. „Ich würde mir wahrscheinlich sagen, dass ich etwas lockerer mit mir umgehen und den Weg mehr genießen soll.“

Vielleicht steckt genau darin ein wichtiger Teil seiner Persönlichkeit: Logan Will ist ein ehrgeiziger Stürmer, der sich verbessern und Verantwortung übernehmen möchte. Gleichzeitig weiß er, dass es im Eishockey nicht nur darum geht, immer das nächste Ziel zu erreichen, sondern auch darum, die gemeinsame Zeit und die besonderen Momente zu genießen. Mit dieser Mischung aus Disziplin, Teamgeist und Freude am Spiel möchte die Nummer 17 ihren Beitrag zum Erfolg der Eispiraten leisten.

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