André Schietzold: Eine Karriere zwischen Heimat, Leidenschaft und über 1.000 Profispielen

Juni 5, 2026 | Allgemein, Hauptnews

„Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme!“

Als André Schietzold seine ersten Schritte auf dem Eis in Crimmitschau machte, konnte wohl niemand ahnen, welch außergewöhnliche Karriere vor ihm liegen würde. Mehr als drei Jahrzehnte später beendet das Crimmitschauer Eigengewächs seine aktive Laufbahn als einer der bekanntesten und beständigsten Eishockeyspieler der Region – mit weit über 1.000 Profispielen, zahlreichen Erfolgen und unzähligen Erinnerungen.

Dabei war für Schietzold nie selbstverständlich, was er erreicht hat. „Ich bin stolz darauf, einer der wenigen zu sein, die es aus Crimmitschau geschafft haben, sich über so eine lange Zeit im Profieishockey zu etablieren“, sagt der ehemalige Eispiraten-Kapitän rückblickend.

Sein Weg führte ihn vom Nachwuchs des ETC Crimmitschau über die Jungadler Mannheim bis in die DEL. Bereits früh durfte er große Erfolge feiern. Drei Meisterschaften mit den Jungadlern gehören ebenso zu den besonderen Erinnerungen wie sein erstes DEL-Spiel für die Adler im traditionsreichen Friedrichspark gegen die Kölner Haie. Auch die Oberliga-Meisterschaft mit Heilbronn, an der er einen maßgeblichen Anteil hatte, nimmt einen besonderen Platz in seiner Karriere ein. Besonders schwärmt der 39-Jährige auch heute noch von zwei WM-Teilnahmen mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft. Dort stand er Größen wie Patrick Kane, Phil Kessel, Carey Price oder Kris Letang gegenüber – allesamt Weltstars.

Enge Verbundenheit mit seiner Heimatstadt – Erst Rückkehrer, dann Rekordspieler

Doch es sind nicht nur Titel und Statistiken, die Schietzold in Erinnerung bleiben werden. Beeindruckt hat ihn vor allem die Zeit, in der er gemeinsam mit NHL-Spielern auf dem Eis stand. „Zu sehen, wie diese Jungs jeden Tag arbeiten, war schon etwas Besonderes“, erinnert er sich. Ebenso bleiben ihm seine Jubiläumsspiele oder die ersten Playoff-Erfolge mit den Eispiraten in Erinnerung. So sorgten unter anderem er und Patrick Pohl 2018 mit wichtigen Treffern dafür, dass sich die Westsachsen nach zehn Jahren erstmals wieder für die Playoffs qualifizierten.

Besonders eng verbunden blieb Schietzold stets mit seiner Heimatstadt. Nach seiner Rückkehr im Januar 2010 entwickelte er sich über viele Jahre zum Gesicht der Eispiraten Crimmitschau. Mit 669 Pflichtspielen war er lange Zeit Rekordspieler des Clubs. Erst im vergangenen Dezember löste ihn Dominic Walsh mit seinem 670. Einsatz für die Eispiraten ab. 669: Eine Zahl, die Schietzolds Bedeutung für den Standort eindrucksvoll unterstreicht.

„Ich war immer stolz, für Crimmitschau zu spielen“, sagt Schietzold. „Hier ist man aufgewachsen. Die Trainer, die einen als Kind begleitet haben, standen später auf der Tribüne und konnten sehen, dass sich ihre Arbeit gelohnt hat.“ Dabei verlief die lange Karriere keineswegs immer geradlinig. Wie jeder Profisportler musste auch Schietzold Rückschläge verkraften. Trotz aller Zweifel verlor er jedoch nie den Glauben an sich selbst. „Ich wusste, dass der Tag kommen wird, an dem es wieder besser wird. Wichtig war, mich selbst nie aufzugeben“, beschreibt er die wohl wichtigste Lektion seiner Laufbahn.

“Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme!”

Geprägt wurde er auf seinem Weg von zahlreichen Menschen. Seine Nachwuchstrainer in Crimmitschau, darunter Christian Heinze, Klaus Kröber, Klaus Schröder und Lutz Höfer, legten den Grundstein für seine Entwicklung. Später halfen ihm in Mannheim Helmut de Raaf und Frank Fischöder, den nächsten Schritt zu gehen. Den größten Dank richtet er jedoch an seine Familie: „Meine Eltern haben mich immer unterstützt und mir überhaupt erst ermöglicht, diesen Weg zu gehen. Natürlich bin ich auch meiner Frau Clara und meinen beiden Töchtern sehr dankbar.“

Während sich das Eishockey in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat, sieht Schietzold bei sich selbst vor allem eines als Konstante. Das Spiel sei heute deutlich athletischer und schneller geworden als noch vor zehn Jahren. Dennoch habe er sich stets bemüht, bodenständig zu bleiben. „Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme und mich nie als etwas Besseres gefühlt als andere.“ Nach 14 Spielzeiten bei den Eispiraten folgten noch drei weitere Jahre bei den IceFighters Leipzig. Dort sammelte er weitere Einsätze und überschritt schließlich die beeindruckende Marke von 1.000 Profispielen – ein Meilenstein, den nur wenige Spieler erreichen.

Nun endet das Kapitel als aktiver Spieler. Vermissen wird er dabei nicht unbedingt die Fitnesstests, wie er mit einem leichten Schmunzeln zugibt. Vielmehr sind es die kleinen Dinge des Eishockey-Alltags: die Gespräche in der Kabine, das gemeinsame Lachen mit den Teamkollegen und das besondere Gefühl, Teil einer Mannschaft zu sein. Seinem jüngeren Ich würde Schietzold heute einen einfachen Rat geben: „Hab Spaß, glaube an dich selbst und genieße jeden Moment auf dem Eis. Die Zeit vergeht schneller, als man denkt.“

Und auch für die Eispiraten-Fans findet der Rekordspieler zum Abschied noch einmal die passenden Worte. Er bedankt sich für die jahrelange Unterstützung, für unvergessliche Aktionen wie das Badelatschenrennen, die Tattoo-Wette mit dem Fanbeauftragten Norman Pilling oder die Choreografien zu seinen besonderen und äußerst erfolgreichen Jubiläumsspielen im Sahnpark. Vor allem aber bedankt er sich für die Leidenschaft, die den Standort über Jahrzehnte getragen hat.

Künftig wird André Schietzold die Spiele nicht mehr auf dem Eis, sondern von der Tribüne aus verfolgen. Seine Verbundenheit zu den Eispiraten wird jedoch bleiben. Oder, wie er selbst sagt: „Einmal rot-weiß, immer rot-weiß.“

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