Capri-Sonne und ein Rat vom Opa: Emil Quaas im Portrait

Okt. 22, 2026 | Allgemein, Hauptnews, Portraits

„Crimmitschau war schon immer ein Team, das aus seinen Möglichkeiten viel herausgeholt hat!“

Bratwurst, Capri-Sonne und die ersten Schritte auf dem Eis: Für Emil Quaas begann die Eishockeygeschichte lange bevor er Profi wurde. Heute ist der Verteidiger bei den Eispiraten Crimmitschau angekommen – und zeigt, dass hinter einem guten Abwehrspieler weit mehr steckt als das Verhindern von Toren. Der sympathische Abwehrmann im exklusiven Portrait.

Bratwurst und Capri-Sonne. Was für viele nach einem ganz normalen Nachmittag aus der Kindheit klingt, ist für Emil Quaas eng mit dem Beginn seiner Eishockeykarriere verbunden. Gerade einmal zwei Jahre alt war der gebürtige Berliner, als er zum ersten Mal auf Schlittschuhen stand. Seine Großeltern nahmen ihn damals mit aufs Eis, mittendrin auch sein Opa, der selbst Eishockey gespielt hatte. Und weil die Kombination aus Eis, Bewegung und anschließender Stärkung offenbar überzeugte, wollte der kleine Emil immer wieder zurück.

Aus den ersten Schritten auf dem Eis wurde schnell mehr. Gegenüber dem damaligen Wellblechpalast in Berlin fand Quaas seinen Weg zu den ersten richtigen Eiszeiten und schließlich zum Eishockey. Dass er heute als Verteidiger auf dem Eis steht, hat ebenfalls mit seinem Opa zu tun. „Er erkannte früh, dass ich die körperlichen Voraussetzungen für diese Position mitbringe. Groß, kräftig – und damit eigentlich wie gemacht für die Defensive“. Sein Rat: einfach mal ausprobieren. Quaas hörte auf ihn. Eine Entscheidung, die ihn bis heute begleitet.

Lieber den Schuss blocken, als selbst abziehen

Mit 1,88 Metern Körpergröße und 88 Kilogramm Gewicht bringt der Linksschütze die Voraussetzungen für einen robusten Verteidiger mit. Seine eigene Beschreibung seiner Spielweise fällt dabei ziemlich eindeutig aus: Er sieht sich eher als defensiv ausgerichteten Verteidiger. „Mir macht es extrem Spaß, die Angriffe der Stürmer zu vereiteln oder auch einen wichtigen Schussblock im Unterzahl zu machen“, erzählt er im Interview.

Es sind die Situationen, die nicht immer in den Highlight-Videos landen, für eine Mannschaft aber enorm wichtig sind. Ein gewonnener Zweikampf, ein abgefangener Pass oder ein Schuss, der gar nicht erst den Weg zum Tor findet. Quaas weiß, worauf es in seiner Rolle ankommt. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass modernes Eishockey von allen Spielern mehr verlangt als die klassische Aufteilung zwischen Verteidigen und Angreifen. „Auch die Verteidiger müssen sich ins Offensivspiel einschalten, Räume erkennen und Chancen kreieren“, sagt der 29-Jährige.

Dass er am vergangenen Wochenende seine ersten beiden Tore als Verteidiger für die Eispiraten erzielte, dürfte deshalb auch für ihn ein besonderer Moment gewesen sein. Beim 4:5 in Ravensburg kämpfte sich Crimmitschau nach einem 1:4-Rückstand zurück und nahm noch einen Punkt mit. Quaas setzte mit seinen beiden Treffern ein offensives Ausrufezeichen – ohne dabei seine eigentliche Stärke aus den Augen zu verlieren. Denn auch wenn Tore und Vorlagen natürlich Freude bereiten, bleibt seine Priorität klar: „Grundsätzlich, glaube ich, ist meine Aufgabe zu verteidigen und deswegen macht mir das schon mehr Spaß.“

Eine Ausbildung bei den Besten

Der Weg zum Profieishockey führte Quaas durch einige der renommiertesten Nachwuchsstandorte Deutschlands und Österreichs. In Berlin sammelte er seine ersten Erfahrungen, später folgten Stationen in Mannheim und Salzburg. Drei Adressen, an denen junge Spieler auf hohem Niveau ausgebildet werden und lernen, was es bedeutet, sich im Leistungssport durchzusetzen.

Auch im Profibereich machte Quaas verschiedene Erfahrungen. Für München, Ingolstadt und Iserlohn stand er in der Deutschen Eishockey Liga auf dem Eis. Während seiner Zeit in München kam er zudem per Förderlizenz beim SC Riessersee zum Einsatz und lernte dadurch auch die zweite Liga kennen. Die Eispiraten hatte er deshalb schon länger auf dem Schirm, bevor er selbst das Trikot der Westsachsen überstreifte. Sein Eindruck: „Crimmitschau war schon immer ein Team, das aus seinen Möglichkeiten viel herausgeholt hat und wo das Umfeld immer gestimmt hat“. Besonders die familiäre Atmosphäre und die Bedingungen für die Spieler hebt er hervor.

Im Sommer wechselte Quaas von der Düsseldorfer EG nach Crimmitschau. Damit führte ihn sein Weg zurück in eine Liga, die er bereits kannte – diesmal allerdings mit einer neuen Aufgabe und einem neuen Team.

Ein Neuanfang nach einem schweren Rückschlag

Dass der Wechsel nach Crimmitschau auch für einen persönlichen Neuanfang steht, zeigt ein Blick auf die vergangene Saison. Am 28. November 2025 verletzte sich Quaas ausgerechnet im Auswärtsspiel bei den Eispiraten im Sahnpark schwer. Er musste auf einer Trage vom Eis gebracht werden. Ein Moment, der bei den Beteiligten in Erinnerung geblieben ist und für den Verteidiger selbst zunächst kaum zu greifen war.

Später beschrieb er die Zeit nach dem Unfall mit bemerkenswert ruhigen Worten: „An den Tag selbst habe ich nur wenige konkrete Erinnerungen. Umso dankbarer bin ich für die Unterstützung gewesen, die ich anschließend erfahren habe. Vieles ist nach der Verletzung wie im Tunnel abgelaufen. Die medizinische Versorgung und die Organisation haben hervorragend funktioniert. Erst im Krankenhaus in Zwickau ist mir bewusst geworden, wie viel Glück im Unglück ich hatte“, sagt Quaas.

Besonders gefreut hätten ihn damals auch die zahlreichen Nachrichten aus dem Eispiraten-Team. Dass er nach dieser Erfahrung nun wieder auf dem Eis steht und nun selbst für Crimmitschau spielt, gibt seiner Geschichte eine zusätzliche Ebene.

Vertraute Gesichter in einer neuen Kabine

Ganz fremd war Quaas seine neue Umgebung ohnehin nicht. Einige Gesichter aus dem Eispiraten-Kosmos kennt er schon lange. Besonders eng ist seine Freundschaft zu Torhüter Kevin Reich, mit dem er seit vielen Jahren befreundet ist und mit dem er auch in München und Ingolstadt zusammenspielte. Auch im Mannschaftsbus sitzen die beiden ganz vorne nebeneinander. Fester Platz, zwei Sitze pro Spieler – und für Quaas offenbar die ideale Mischung aus vertrauter Gesellschaft und gewohnter Spielvorbereitung.

„Mit Louis Brune verbinde ich ebenfalls eine Freundschaft. Und Ole Olleff kenne ich sogar noch aus den Anfängen meiner Eishockeyzeit“, sagt Quaas. Gemeinsam begannen sie in Berlin im Nachwuchs mit dem Eishockeyspielen. Solche Verbindungen können helfen, in einer neuen Mannschaft schnell anzukommen. Quaas schätzt ohnehin das familiäre Umfeld in Crimmitschau. Es schafft aus seiner Sicht eine gute Grundlage, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können: das eigene Spiel und die gemeinsame Aufgabe auf dem Eis.

Kaffee, Powernap und klare Abläufe

Wer glaubt, dass sich Profis vor einem Spiel mit komplizierten Ritualen auf den Abend einstimmen, bekommt von Quaas eine eher pragmatische Antwort. Er spricht lieber von Abläufen als von Ritualen. „Ich weiß, wann ich am besten essen sollte, damit ich genügend Energie habe, mich aber nicht zu voll fühle. Ein Powernap gehört ebenfalls dazu“, meint „Quaasi“, wie er von seinen Kollegen liebevoll genannt wird. Dazu kommt ein Kaffee, etwas Ruhe und die Konzentration auf das bevorstehende Warmup. Wenn es auf dem Eis ernst wird, soll der Fokus stimmen.

Auch nach einem Spiel versucht Quaas, die Dinge einzuordnen. „In der Kabine darf der Frust nach einer Niederlage durchaus seinen Platz haben. Sobald ich die Kabine verlasse, soll der Blick jedoch wieder nach vorne gehen“, meint er. Regeneration hat dann Vorrang, ehe am nächsten Tag die Analyse folgt. Gemeinsam mit dem Team oder individuell schaut er sich seine Wechsel noch einmal an, prüft, was besser laufen kann, und bereitet sich körperlich und mental auf die nächste Aufgabe vor.

Es ist eine Haltung, die zu seiner Rolle passt: sachlich bleiben, Fehler erkennen, Verantwortung übernehmen und weitermachen.

Privat in Salzburg zu Hause

Abseits des Eises lebt Quaas inzwischen in Salzburg, wo auch seine Verlobte Ela und sein Hund Appa zu Hause sind. Der Lebensmittelpunkt außerhalb des Sports liegt damit in Österreich, während ihn der Eishockeyalltag zu den Spielen und Trainingseinheiten führt – im kleinen und beschaulichen Crimmitschau.

„Auf Auswärtsfahrten gehören Gespräche mit den Mitspielern, Lesen, Serien und natürlich auch das eine oder andere Nickerchen im Bus zum Programm“, sagt der Abwehrmann. Bei einem Heimspiel genießt Quaas dagegen die kurzen Wege, das eigene Bett und vor allem die Unterstützung der Fans. „Der Support kann in einigen Momenten den Unterschied machen, gerade wenn auf dem Eis die Kräfte schwinden“, weiß der Mann mit der Trikotnummer 20.

So ergibt sich das Bild eines Spielers, der seinen Beruf ernst nimmt, aber nicht jedes Detail künstlich zum Ritual erhebt. Er weiß, was ihm guttut, kennt seine Aufgaben und setzt auf Abläufe, die sich bewährt haben.

Einer, der lieber verhindert als glänzt

Emil Quaas ist kein Verteidiger, der seine Rolle allein über Tore definieren möchte. Er denkt zuerst an den gewonnenen Zweikampf, den geblockten Schuss und den Angriff, der im Keim erstickt wird. Dass er am vergangenen Wochenende gleich zweimal selbst traf, macht die Geschichte umso schöner: Auch ein defensiv denkender Verteidiger kann im richtigen Moment offensiv entscheidend werden.

Sein Weg begann mit seinem Opa auf dem Eis, führte durch einige der besten Nachwuchsprogramme und auf die große Bühne der DEL und der Champions Hockey League. Er brachte ihn durch verschiedene Stationen im deutschen Eishockey und nach einem schweren Rückschlag schließlich zu den Eispiraten.

Was ihn dabei begleitet, ist eine klare Vorstellung von seiner Aufgabe – und die Freude an den einfachen Dingen, die schon als Zweijähriger funktioniert haben: aufs Eis gehen, sich bewegen und anschließend zufrieden wieder herunterkommen. Nur dass heute statt Bratwurst und Capri-Sonne auch mal ein Kaffee vor dem Spiel dazugehört.

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